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IT-Experten halten Konnektorentausch für unnötig

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Ab Herbst sollen die ersten von rund 130.000 Konnektoren aus Sicherheitsgründen in Praxen und Kliniken ausgetauscht werden. Die gematik argumentierte bisher damit, dass der Austausch nach fünf Jahren nötig werde, da sich die eingebauten Zertifikate nicht erneuern ließen. IT-Experten des Magazins c’t haben sich die Sache genauer angeschaut und ziehen ein ganz anderes Fazit. Der Landesverband Niedersachsen hat die KVN aufgrund der neuen Sachlage zum Handeln aufgerufen und weist auf eine aktuelle Petition hin.

Die angekündigte Telematikinfrastruktur (TI) 2.0 soll im Jahr 2025 die derzeit genutzten VPN-Konnektoren ablösen. Bis es soweit ist, laufen bundesweit in den nächsten Jahren jedoch bei 130.000 Geräten die eingebauten Verschlüsselungszertifikate ab. Ohne diese kann die Hardware nicht sicher betrieben werden. Bis Ende dieses Jahres sind vom geplanten Austausch bereits 15.000 Konnektoren betroffen.

Man könnte also sagen, die Praxen stehen vor einem Haufen Elektroschrott. Neben einem weiteren Vertrauensverlust in die TI bei den Hausärztinnen und Hausärzten greift ein Wechsel auch in die Praxisabläufe ein. Und er kostet Geld: Auf gut 300 Millionen Euro werden die Gesamtkosten derzeit beziffert. Die Hausärzteverbände auf Landes- und Bundesebene haben wiederholt deutlich gemacht, dass diese Kosten nicht an den Praxen hängen bleiben dürfen.

In der Vergangenheit hatte die gematik stets betont, dass man ohne einen Konnektorenaustausch auskommen wolle. Dieses Versprechen wurde in diesem Frühjahr jedoch enttäuscht. Da die betroffenen Zertifikate fest in der Hardware verbaut sind, könnten sie „aus Sicherheitsgründen“ weder entfernt noch ersetzt werden, heißt es. Die IT-Experten des Technik-Magazins c’t haben sich die betroffenen Konnektoren-Modelle in einer aktuellen Analyse genauer angeschaut und kommen jetzt zu ganz anderen Ergebnissen als die gematik oder die Hersteller.

Bei der KoCoBox des Herstellers CGM beispielsweise habe der Austausch der für das Zertifikat verwendeten gSMC-K-Karte problemlos funktioniert. „Die KoCoBox bootete anschließend klaglos und konnte weiterverwendet werden“, schreibt das IT-Magazin. Die Experten bezweifeln zudem, dass der Aufwand und damit auch die Kosten von 300 Millionen Euro überhaupt nötig wären. Es gebe zudem Unterschiede zwischen einzelnen Modellen. Eine generelle Aussage, wie sie von der gematik zu allen Konnektoren gemacht wurde, erscheine demnach nicht haltbar.

Anhand dieser aktuellen Erkenntnisse hat der Deutsche Hausärzteverband – Landesverband Niedersachsen die KVN erneut zum Handeln aufgefordert. „Wir Hausarztpraxen sind schlicht nicht mehr bereit, die Leidtragenden des Digitalisierungsversagens im deutschen Gesundheitswesen zu sein,“ kommentiert der Landesvorsitzende Dr. Matthias Berndt den Fall. „Insbesondere jetzt, da ausgewiesene IT-Experten den Konnektorentausch als in den meisten Fällen vermeidbar eingestuft haben. Hier muss eine neue, schnelle und günstige Übergangslösung gefunden werden“, fordert der Hausarzt Dr. Berndt.

Immerhin hat im Streit um die Kostenerstattung das Bundesschiedsamt kürzlich entschieden, dass Praxen 2.300 Euro für einen Austausch erhalten sollen. Damit dürften viele Praxen nach jetzigem Stand aber auf einem Teil der Kosten sitzen bleiben.

Einen ausführlichen Bericht zur Analyse von c't finden Sie frei zugänglich bei heise.de!

Inzwischen wurde auf der Plattform change.org eine Petition gegen den Konnektorentausch gestartet, auf die der Landesverband an dieser Stelle hinweisen möchte.