Seminarkongress bringt über 40 Fortbildungen nach Niedersachsen

Mehr als 40 Fortbildungen, erneut ca. 1.000 Seminaranmeldungen und zwei Tage vollgepackt mit hausärztlichem Wissen: Der 41. Seminarkongress Norddeutscher Hausärztinnen und Hausärzte am 14. und 15. August auf dem Campus der Leuphana Universität Lüneburg war erneut überaus gut ausgelastet. Die Veranstaltung knüpfte damit an das starke Niveau der Jubiläumsausgabe im vergangenen Jahr und es zeigte sich: Das zweitägige Kongressformat hat sich etabliert.
Hausärztinnen und Hausärzte, Medizinische Fachangestellte (MFA), Versorgungsassistentinnen und -assistenten in der Hausarztpraxis (VERAH) sowie Primary Care Manager und Managerinnen nutzten die beiden Tage für Fortbildung und den kollegialen Austausch vor Ort. Das Spektrum reichte von Sonographie, Dermatologie, Impfungen und Notfallmanagement über Disease-Management-Programme (DMP) und Abrechnung bis hin zu Praxisorganisation, Praxisnachfolge und neuen Formen der Zusammenarbeit im Praxisteam.
Ein besonderes Highlight kam in diesem Jahr mit vierbeiniger Unterstützung daher: Beim Seminar zum Einsatz von Therapie-, Besuchs- und Begleithunden in der hausärztlichen Versorgung vermittelte Dr. Bernd Schüttrumpf zusammen mit seiner hausärztlichen Begleit- und Besuchshündin Lillyfee, wie tiergestützte Interventionen beispielsweise bei Angstpatientinnen und -patienten, in der Palliativmedizin oder bei Besuchen in Pflegeeinrichtungen eingesetzt werden können. „Das Seminar war super. Es war einfach mal ein nicht-alltägliches Format, besonders durch unsere tierische Kursleiterin. Es war klasse zu sehen, was für eine Ausbildung Mensch und Hund durchlaufen müssen, um bei einer Therapie unterstützen zu können. Für mich nehme ich mit, dass mein Hund für diese Aufgabe leider nicht in Frage kommt“, so Hausärztin Andrea Wenske aus Winsen an der Luhe.
„Die konstant hohe Zahl an Anmeldungen zeigt uns, dass der Bedarf an guter und vor allem praxisnaher Fortbildung ungebrochen ist. Dass wir nach der Jubiläumsausgabe dieses Niveau wieder erreichen konnten, ist eine deutliche Bestätigung auch unserer Entscheidung für die Ausweitung auf zwei Kongresstage“, sagt Rüdiger Quandt, langjähriger wissenschaftlicher Leiter des Seminarkongresses. „Hausarztmedizin entwickelt sich ständig weiter. Neue medizinische Erkenntnisse, veränderte Versorgungsabläufe und neue Aufgaben im Praxisteam müssen so vermittelt werden, dass sie am Montagmorgen in der Praxis tatsächlich weiterhelfen. Genau das ist unser Anspruch in Lüneburg“, so Quandt, der eine eigene allgemeinmedizinische Praxis in Seevetal betreibt.
Dabei richtet sich der Blick bereits über die beiden Kongresstage hinaus. Nach dem beschlossenen Spargesetz (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz) stehen in der Gesundheitspolitik weitere grundlegende Entscheidungen zur Zukunft der ambulanten Versorgung an. Insbesondere die von der Bundesregierung geplante und von Hausarztseite immer wieder lautstark geforderte Einführung eines Primärarztsystems wird die Hausarztpraxen in den kommenden Jahren beschäftigen. Viele Themen des Seminarkongresses, von der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) über Delegation an besonders qualifizierte Praxisteammitglieder bis zu zukunftsweisenden Praxisstrukturen wie die Hausärztlichen Primärversorgungszentren in Niedersachen (HPVZ), vermittelten wichtige Kompetenzen, die immer weiter an Bedeutung gewinnen.
„Nach der politischen Sommerpause wird nun sehr schnell wieder darüber gesprochen werden müssen, wie die Versorgung angesichts knapper Ressourcen, des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels verlässlich organisiert und finanziert werden kann“, erklärt Dr. Matthias Berndt, Landesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Niedersachsen. „Ein mangelhaft aufgelegtes Spargesetz wie das BStabG, dass dann auch noch an der falschen Stelle spart, ist hier absolut kontraproduktiv. Die notwendigen strukturellen Antworten auf die Herausforderungen im Gesundheitswesen sind damit nicht mal im Ansatz gegeben. Ein funktionierendes Primärarztsystem ist der wichtigste und zentrale Hebel. In Lüneburg zeigt sich jedes Jahr, dass die Hausarztpraxen bereit sind, sich weiterzuentwickeln und primärärztliche Versorgung tatkräftig mit Leben zu füllen. Dafür brauchen sie allerdings verlässliche Rahmenbedingungen, eine auskömmliche Finanzierung und echte bürokratische Entlastungen!“
Dass beim Seminarkongress auch der persönliche Austausch nicht zu kurz kommt, zeigte sich besonders am Freitagabend. Bei einem gemeinsamen Grillabend im KLIPPO auf dem Campus der Leuphana Universität nutzten zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, den ersten Kongresstag in entspannter Atmosphäre ausklingen zu lassen und sich über Praxis- und Regionsgrenzen hinweg auszutauschen.
„Seit mehr als vier Jahrzehnten bringt der Seminarkongress Kolleginnen und Kollegen aus ganz Norddeutschland zusammen“, so Kongressleiter Rüdiger Quandt. „Die hohe fachliche Qualität ist das Fundament. Mindestens genauso wichtig sind aber die persönlichen Begegnungen und Netzwerke, die hier entstehen. Beides zusammen macht Lüneburg zu einem festen Termin für die norddeutsche Hausärzteschaft.“





